Vom Ring in den Simulator
Rajadamnern-Weltmeister Daniel Rodriguez zu Besuch bei Racing Unleashed

Rajadamnern-Weltmeister Daniel Rodriguez zu Besuch bei Racing Unleashed

Der Zürcher Daniel Rodriguez ist amtierender Rajadamnern-Weltmeister und macht rund drei Wochen vor seinem nächsten grossen Auftritt Halt in der Racing Unleashed Lounge Zürich City. Am 26. September fordert er im Berner Ring Petchmorakot heraus – den er im Dezember 2025 in Bangkok bereits bezwungen hat. Gelingt ihm der Sieg, wäre er Rajadamnern-Champion in zwei Gewichtsklassen.
Zwischen Training und Fight Week nahm er sich Zeit für eine kurze Auszeit vom Kampfsport: Lounge-Tour, Foto- und Video-Shooting – und direkt im Anschluss ein paar schnelle Runden im Simulator. Gleiche Intensität, andere Arena. Nach der ersten Sim-Session hat er sich für uns Zeit genommen und im Interview offen über Instinkt, Drucksituationen und die überraschenden Parallelen zwischen Ring und Rennstrecke gesprochen.
Du kämpfst am 26. September in Bern um den Rajadamnern-Titel – wie sieht deine allerletzte Minute vor dem Ringeinstieg aus?
Die allerletzte Minute vor dem Kampf gehe ich einfach nochmals meine Pläne durch. Ich bin unglaublich fokussiert und versuche mir ein Bild davon zu machen, wie der Kampf laufen und wie ich ihn gewinnen kann. Ich visualisiere den Sieg – meistens, wie mir der Ringrichter am Ende die Hand hebt.
Wie bist du überhaupt zum Muay Thai gekommen?
Das war per Zufall. Ich war in der Schule mit einem Kollegen, der Kampfsport gemacht hat. Ich hatte damals noch keinen Sport gefunden, der mir als Hobby gefallen hat, oder etwas, das ich nach der Schule machen wollte. Irgendwann bin ich mit ihm zusammen ins Gym gegangen – und seither bin ich in den Sport verliebt.
Was war der Moment, in dem du gemerkt hast: Das ist mein Sport, das ziehe ich durch?
Der kam ziemlich früh. Eigentlich bei meinem ersten Kampf, den ich nach 10 Monaten Training hatte. Es hat aber bereits zum Start einfach funktioniert – ich wusste anfangs gar nicht wirklich, was ich tue, aber die Leute im Gym haben mir Dinge gezeigt, die ich sofort umsetzen konnte.
Wie sieht ein normaler Trainingstag bei dir aus, drei Wochen vor einem Titelkampf?
Eigentlich fast gleich wie sonst auch – die Tageszeiten bleiben dieselben: aufstehen, joggen, bereitmachen fürs erste Training, trainieren, essen, schlafen, vorbereiten aufs zweite Training. Und dann beginnt ein neuer Tag. Der Unterschied liegt vor allem in der Intensität und in der genaueren Vorbereitung. Und beim Essen wird rund einen Monat vorher umgestellt – deshalb gönne ich mir in dieser Phase auch keine Cheat Meals.
Wie viel Instinkt steckt im Kämpfen, wie viel kalkulierte Entscheidung?
Ich würde sagen etwa 80 Prozent Instinkt. Man bereitet sich zwar gezielt auf den Gegner vor, schaut sich an, wie er kämpft, und versucht, seine Muster zu lesen – aber am Kampftag selbst ist meistens alles anders. Die Gegner ändern oft kleine Dinge, damit sie weniger vorhersehbar sind. Es läuft eigentlich nie so, wie man es sich im Vorfeld gedacht hat.
Was passiert in deinem Kopf in der halben Sekunde, bevor du auf eine Bewegung deines Gegners reagierst?
Das weiss ich nicht. Ich reagiere einfach instinktiv.

Gibt es einen Rückschlag oder einen Kampf, der dich als Kämpfer am meisten geprägt hat?
Die ersten sechs Monate in Thailand haben mich besonders geprägt. Es war das erste Mal, dass ich dort wirklich trainiert und gesehen habe, was Muay Thai bedeutet und wie intensiv dort trainiert wird – wie weit man gehen kann, wenn man im Training wirklich 100 Prozent gibt. Mitgenommen habe ich vor allem eines: mehr Disziplin und dieses Durchhaltevermögen, diese Fähigkeit, dranzubleiben, egal wie hart es wird.
Muay Thai und Sim Racing sehen komplett verschieden aus – wo siehst du trotzdem die Parallele?
Vor allem bei der Routine: Wer seine Runden auf einer Strecke schon oft gefahren ist, ist ganz klar besser als jemand, der zum ersten Mal fährt. Genau gleich ist es beim Thai-Boxen – wer eine Kombination x-mal trainiert hat, ist immer besser als jemand, der zum ersten Mal ins Gym kommt. Und dann ist da noch das Reflextraining: Die Reflexe werden extrem geschärft, weil man genau weiss, wann man in die Kurve reinfährt und bremsen muss – im Ring ist das nicht anders.
Was hat dich hinter dem Lenkrad heute überrascht?
Wie stark man beim Bremsen nach vorne gezogen wird. Es ist wie echt. Das Einzige, was noch gefehlt hat, war der Fahrtwind – aber dafür gibt es ja den Ventilator im Sim (lacht).
Schnellste Runde oder härtester Schlag – was verlangt mehr Kontrolle?
Sicher die schnellste Runde. Eine Runde ist viel komplexer als ein einzelner Schlag und man muss viel mehr Konzentration dafür aufbringen.
Welche mentale Gewohnheit aus dem Ring würdest du mit in ein Rennauto nehmen?
Die Visualisierung. Genau das, was ich vor einem Kampf im Kopf durchgehe, um bereit zu sein, würde ich auch vor einem Rennen machen. Also mental die Strecke durchgehen und mir auch den Moment des Sieges vorstellen.
Was würdest du jemandem raten, der im Sim-Racing gross rauskommen will – basierend auf dem, was dich in deiner eigenen Karriere vorangebracht hat?
Geduld. Ganz viel Geduld. Und Durchhaltewillen: Auch wenn es mal nicht danach aussieht, als würde es klappen – einfach dranbleiben. Nie aufgeben.
Wir bedanken uns bei Daniel Rodriguez für den Besuch und seine Offenheit – und drücken ihm für den Titelkampf am 26. September in Bern die Daumen. Wer live dabei sein möchte: In unseren Social-Media-Kanälen verlosen wir demnächst Tickets für den Kampf.






